Das Göttliche sieht auch auf symbolische Weise. Was sieht es?

Wenn das Göttliche heute durch meine Augen blickt, schaut es bewusst aus dem Fenster. Es sieht die Schönheit der sanften Regentropfen, die Poesie der vielen kleinen Kreise auf der Wasseroberfläche des Teiches. Das Göttliche sieht die Wolken dieses regnerischen Herbsttages am Himmel. Sie ziehen dahin und formieren sich zu immer neuen Gebilden in Schattierungen aus unterschiedlichem Grau. Wolkenbilder. Die vielen unterschiedlichen Wolkenschichten in den abwechslungsreichen Grautönen machen den Himmel lebendig. Dass Grau so vielfältig sein kann, beinahe bunt! Da ist Dynamik und Bewegung am Himmel, nicht Stillstand in Grau. Und auch zwischen den dunkelsten Wolkenschichten leuchtet Licht. Direkt über den Bäumen, deren herbstlichem Bunt selbst das Regengrau nichts anhaben kann, schimmert der Himmel milchig hell mit einem Hauch Rosa. Licht! Und die Wolken ziehen weiter. Beinahe jede Sekunde erscheint der Himmel anders.

Während ich das alles mit den Augen des Göttlichen wahrnehme, spüre ich gleichzeitig die Botschaft der Hoffnung an mich. Die Regentropfen waschen meine Seele, so wie auch meine Tränen eine reinigende Wirkung haben. Sie machen meinen Seelengrund fruchtbar. Neues kann in mir entstehen.

Auch die Wolken in meinem Leben werden sich verziehen. Die Wolken an meinem Seelenhimmel sind vielschichtig. Intuitiv verstehe ich, dass die Wolkenstimmungen in mir ihre eigene Schönheit haben. Es ist gut, dass sie da sind. Sie machen mein Leben interessant, vielschichtig und lebendig. Ich kann sie betrachten und schon durch das bewusste Wahrnehmen verändern sie sich. Beim Betrachten der Wolken steigt Vertrauen auf und wärmt sanft meinen Bauch.

Die Wolken sind meine Gedanken, mit denen ich eine Situation bewerte. Auch in die düsterste Wolkenstimmung kann ich Licht hineinbringen, wenn ich meine bewusste Wahrnehmung nicht nur auf die Wolken in meinem Leben, sondern auf die lichtvollen Bereiche lenke. Wenn ich meine Gedankenwolken bewusst wahrnehme, verziehen sie sich schnell.

Während ich diese Zeilen schreibe, fliegt eine Krähe mit schwungvollem Flügelschlag kurz durch mein Blickfeld. Sie ist keine düstere Botin, sondern Symbol für Kraft und Dynamik. Sie erinnert mich an die Kraft und den Schwung in mir.

Wenn das Göttliche durch deine Augen blickt, was sieht es?

Diese Frage verändert meine Wahrnehmung und erlaubt mir, meine Umgebung neu und anders wahr zu nehmen. Diese Übung holt mich dort ab, wo ich gerade stehe und bringt mich ebenso sanft wie schnell in direkten Kontakt mit meiner Seele. Sie zaubert ganz schnell Magie in einen Regentag.

Es ist heilsam, wenn das Göttliche durch meine Augen blickt. Allein durch diese Frage beginnt sich mein Blick zu verändern. Und der veränderte Blick verändert etwas in mir. Diese andere Art des Sehens leitet ganz automatisch einen liebevollen Dialog zwischen meiner Außen- und meiner Innenwelt ein. Ein neues Gefühl von Verbundenheit entsteht, mit dem ich mich ganz Ich und ganz lebendig fühle. Deshalb liebe ich diese Übung so sehr.

Ein Gefühl von tiefer Verbundenheit in Dankbarkeit fließt auch zu Amy Oscar, die mich diese Übung gelehrt hat.

Was sieht das Göttliche, wenn es durch deine Augen blickt? Das Göttliche schaut symbolisch. Was also sieht es?

Lass dich überraschen, was in dir entsteht, wenn das Göttliche durch deine Augen blickt!

Viel Freude mit dieser neuen Art des Sehens wünsche ich dir!

Salzburg, 19. Oktober 2016