Ta-ta-ta-ta – Vorhang auf für die Premiere:

Das erste Buch, das ich vorstelle, mein Buch für den Monat Oktober ist:

Lorna Byrne: Engel in meinem Haar

Unter dem Titel „Engel in meinem Haar“ erzählt Lorna Byrne ihre berührende Lebensgeschichte von ihrer Geburt 1953 bis zum Tod ihres Ehemannes 1976.
Lorna Byrne wuchs in ärmlichsten Verhältnissen in Dublin auf. Von Anfang war sie anders als andere Kinder, galt als geistig zurückgeblieben und wurde von ihrer Umwelt entsprechend behandelt. Im Irland der Fünfzigerjahre gab es kein großes Verständnis für Menschen mit Behinderung. Sie wurden als Belastung oder gar als Schande für die Familie wahrgenommen. Im Buch schildert sie eindrücklich ihre oft leidvollen Erfahrungen. Sie nimmt uns mit
in die Denkweise und Lebenswelt im katholischen Irland der Fünfzigerjahre. Und sie lässt uns teilhaben an ihrer wundervollen Innenwelt, die so anders ist als die anderer Menschen. Denn Lorna Byrne nimmt seit ihrer Geburt Engel wahr. Sie war immer von Engeln umgeben, konnte sich mit ihnen unterhalten und sie in leuchtenden Farben wahrnehmen.
Beim Lesen hatte ich immer das Gefühl, eine außergewöhnliche Frau und ihre Lebensgeschichte kennen zu lernen und nebenbei mit der Welt von Engeln vertraut zu werden.
Für mich ist „Engel in meinem Haar“ deshalb so speziell, weil es drei Buchkategorien in sich vereint: zunächst ist es die Autobiographie einer Frau, die so anders tickt als die meisten, dann ein Zeitdokument über die irische Gesellschaft der damaligen Zeit und so nebenbei ein tiefgründiges Buch über Engel.
„Engel in meinem Haar“ ist ein wunderbares Buch, das mich staunen ließ, mich zum Lachen und zum Weinen brachte – und mich zutiefst beglückt zurück ließ.

Hier eine kurze Kostprobe aus dem ersten Kapitel:

Meiner Mutter fiel auf, dass ich schon als Baby ganz in meiner eigenen Welt zu leben schien. Und ich war gerade zwei Jahre alt, da nannte mich der Kinderarzt „retardiert“, „zurückgeblieben“. Ich selbst kann mich noch gut daran erinnern, wie ich in meinem Bettchen – einem großen Korb – lag und meine Mutter sich über mich beugte. Um sie herum sah ich wunderschöne, lichtvolle, in allen Regenbogenfarben strahlende Wesen. Deutlich größer als ich, doch wesentlich kleiner als Mam, hatten sie etwa die Größe dreijähriger Kinder und schwebten – Federn gleich – frei in der Luft. Ich weiß noch, wie ich die Händchen nach ihnen ausstreckte, sie berühren wollte, was mir jedoch nicht gelang. Ich war völlig fasziniert von diesen Geschöpfen und ihrem herrlichen Leuchten. Damals wusste ich noch nicht, wie sehr meine Wahrnehmung sich von der anderer Menschen unterschied. Es ging noch viel Zeit ins Land, bis die Wesen sich mir gegenüber als Engel zu erkannten gaben.
Im Verlauf der nächsten Monate bemerkte meine Mutter, dass ich immerzu woandershin blickte oder gar starrte, ganz gleich, was auch immer sie unternahm, um meine Aufmerksamkeit zu fesseln. Tatsächlich war ich ganz woanders: Immer bei den Engeln und in deren Beobachtung versunken, aber auch im Gespräch und Spiel mit ihnen – ich verspürte grenzenloses Entzücken.
Zwar habe ich erst spät zu sprechen begonnen, doch mit den Engeln unterhielt ich mich schon in meinen jüngsten Tagen. Manchmal benutzten wir dabei das gewöhnliche menschliche Vokabular, dann wieder bedurfte es keiner Worte, weil wir wechselseitig unsere Gedanken lesen konnten. Zu der Zeit glaubte ich, jedermann sähe, was ich sah…….
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